© Sabine Dörner

Gemeinsam unterwegs auf dem „Gemaahnsweeschelscher”

Wasserbrücke, historische Eisenbahnbrücke und der Stöffel-Park wurden erkundet. Beste Wanderbedingungen herrschten bei der Zehn-Kilometer-Wanderung (SP4) des Westerwald-Vereins auf den Gemaahnsweeschelschern in Stockum-Püschen. „QR-Code scannen und loswandern!“, so lautet normalerweise das Motto des neuen Wanderwegkonzeptes hier – eine weitere Anleitung ist da nicht nötig. Doch zur Saisoneröffnung hatte nun der „Fachbereichsleiter Wandern & Freizeit“ des Westerwald-Vereins, Rainer Lemmer (Stockum-Püschen), zu einer geführten Wanderung eingeladen.

Einstellige Temperaturen und ein kalter Wind erwarteten 51 gut gelaunte und hoch motivierte Wanderer am Wanderparkplatz, der sich beim Dorfgemeinschaftshaus in Stockum-Püschen befindet. Nach dem obligatorischen „Hui Wäller – Allemol” stellte sich das übrige Wanderteam vor: Stefanie Eichhorn, zertifizierte Wanderführerin DWV und Natur- und Landschaftsführerin, und Andre Hauptmann, Bergbauexperte und Heimatkundler aus Leidenschaft. Mit dabei war auch Hartmut König, Fachbereichsleiter Natur- und Umweltschutz im Westerwald-Verein.

Gleich mal die Aussicht genießen

Während einige Wanderer mit Heimvorteil klimaneutral (zu Fuß) aus dem Ort „anreisten“, kamen andere von weiter her angefahren, aus acht verschiedenen Kreisen. Nach wenigen Schritten war bereits der 16 Meter hohe Stöffel-Park-Aussichtsturm erreicht. Hier bietet sich eine beeindruckende Aussicht über das gesamte Steinbruchareal und den Stöffel-Park bis hin zum Gräbersberg und weiter bis in das Tal der Großen Nister. Über Pfade, Wald- und Wiesenwege führte die Wanderung, vorbei an den beiden ältesten Bäumen der Gemeinde Stockum-Püschen, stetig bergab durch die geschichtsträchtige Gemarkung „Schmieden” und zur über 100 Jahre alten “Wasserbrücke”. Sichtlich in die Jahre gekommen, erfüllt die Brücke heute immer noch ihren ursprünglichen Zweck. An der Hardter Mühle wurde die Große Nister über die Brücke gequert. Weiter ging es auf teils sehr schmalem Pfad unter der historischen Eisenbahnbrücke, einer für die damalige Zeit in Europa einmaligen architektonische Meisterleistung, hindurch in Richtung Nistertal.

Bergbau in Nistertal

Der Wanderweg führt vorbei an den Spuren früherer Bergbautätigkeit. André Hauptmann gab einen Überblick darüber im Bereich Nistertal. Als gesichert gilt, dass Bergbau in dieser Region schon vor dem 16. Jahrhundert betrieben wurde. Zugefalle Stolleneingänge (der Fachmann spricht hier von „verbrochenen Mundlöchern”) und alte Abraumhalden zeugten davon.

Damit sich die Gruppe ein Bild von den teilweise hier vorkommenden Erzen und Mineralien machen konnte, hatte Hauptmann in seinem Rucksack eine repräsentative Auswahl von Gesteinsbrocken mitgebracht. Grünfarbener Malachit, blauer Azurit, gelber und goldener Kupferkies, rotes-braunes Ziegelerz (alles Kupfer) und schwarzer Glaskopf oder Limonit (Eisen) – eine beeindruckende Auswahl an heimischen Gesteinen war zu sehen.

Nachdem die Nister über den Steg gequert wurde, ging es über Feld- und Wiesenwege stetig bergauf Richtung Stöffel-Park. Auf halbem Weg erläuterte Wanderführerin Stefanie Eichhorn beim Blick in das Nistertal und den gleichnamigen Ort die markanten Punkte und die Geschichte dahinter.

Erfrischender Stopp im Stöffel-Park

Im Stöffel-Park gab dann Gästeführer Egon Negd einen wissensreichen und äußerst unterhaltsamen Überblick über die Geschichte des Basaltabbaus und die Entstehung des Stöffel-Parks. Seine lebhaften Erzählungen und Anekdoten über die harte Arbeit im Steinbruch und die Menschen, die hier über viele Jahre unter schwersten Bedingungen bei kargem Lohn arbeiteten, begeisterten die Wandergruppe. Beim gemeinsamen Besuch im TERTIÄRUM wurde die Geschichte um die Entstehung und die Vernichtung des Stöffel-Sees durch Vulkanausbrüche erklärt. Die im Stöffel-Park gefundenen Fossilien sind hier ausgestellt, unter anderem der gut erhaltene Originalabdruck der hier im Ölschiefer gefundenen „Stöffelmaus“. Ein Dank geht an Egon Negd und den Stöffel-Park für den Besuch, die Führung und die Erfrischung. Nach einem Umtrunk ging es zum Ausgangspunkt zurück.

Das Event macht Lust auf mehr

Begeisterung, zufriedene Gesichter, viel positives Feedback und Komplimente für das ganze Team waren der Lohn für die geführte Wanderung und für das neue Wanderwege-Konzept in Stockum-Püschen. Einige Teilnehmer kehrten in der ortsansässigen Metzgerei und Gaststätte ein, um bei einer deftigen Gulaschsuppe, Wurst- und Käseplatte die Wanderung Revue passieren zu lassen.

Tipp: Frisch gedruckt ist der Flyer „Wandern auf den Gemaahnsweeschwelschern“. Er ist bereits im Stöffel-Park und in der Tourist-Information WällerLand am Wiesensee (TiWi) zu finden.

Zur Geschichte der Brücken

Historische „Wasserbrücke” über die Westerwald-Querbahn

1907 wurde die Eisenbahnstrecke Rennerod–Fehl-Ritzhausen–Westerburg als Teil der Westerwald-Querbahn eröffnet. Schon bald wurden die Planer zwischen Nistertal und Bad Marienberg mit einer unerwarteten Situation konfrontiert. Sie hatten sich wohl im Hinblick auf das vom Stöffel herabkommende Wasser gründlich verschätzt.

Zeitweise gerieten im Gebiet der sogenannten Rutsch große Erdmassen in Bewegung und „rutschten“ auf den Gleiskörper. An anderen Stellen unterspülte das Wasser die Bahn. Um das Wasser abzuleiten, baute man u. a. die sogenannte „Wasserbrücke“, in der das Wasser über eine Brücke über den Gleisen von einer Seite der Anlage zur anderen (noch immer) fließt und keine Schäden mehr anrichtete.

Historische Eisenbahnbrücke, „die huuh Breck”

Die historische Eisenbahnbrücke war bei ihrer Fertigstellung und feierlichen Eröffnung am 31. August 1911 nach einer Bauzeit von nur 6 Monaten die größte Betonbrücke Deutschlands. Mit einer Länge von 300 m und fast 40 m Höhe, komplett ohne Stahlarmierung mit Sand und Splitt von den nahen Steinbrüchen in Betonbauweise gebaut, galt sie als Wunder der Technik.

Wie Wanderführer Rainer Lemmer anmerkte, war nicht nur die Bauzeit beeindruckend, sondern auch die relativ niedrigen Kosten für den Bau der Brücke mit 300.000 Goldmark, heute umgerechnet 1,5 Mio. EUR.

Vorschau auf die weiteren geplanten Wanderungen

Der Hauptverein des Westerwald-Vereins e.V. lädt 2022 ein zu Wanderungen im und über den Westerwaldkreis hinaus:

  • Samstag, 11. Juni, W1 „Fürsten, Burgen, Schloss, ein Wasserfall – aber wer ist Max?“ (Neuwied)
  • Sonntag, 12. Juni, W2 „Weit-gucken-Tour und ein grüner See, der Blauer See heißt“ (Merenberg)
  • Samstag, 27. August, W4 „Der Kultur auf der Spur – Geopfad, Barocke Gärten, Tempelchen und Bembelchen“ (Weilburg)
  • Sonntag, 28. August, W5 „Wasserfall, Burgen, Lost-Place und ein Skelett“ (Windeck)

Außerdem werden Familien-Erlebnis-Wanderungen angeboten:

  • Sonntag, 19. Juni, W7 „Wasser, Wald und Wiesen“ in Dreifelden
  • Sonntag, 10. Juli, W3 „Über und unter der Erde“ in Breitscheid
  • Sonntag, 24. Juli, W8 „Naturspaziergang für die ganze Familie“ rund um den Malberg
  • Sonntag, 4. September, W9 „Auf der Spur des weißen Goldes im Westerwald“ in Arborn

Weitere Informationen zu den Wanderungen mit Rainer Lemmer

(Foto und Text: Rainer Lemmer)

Tourist-Information WällerLand am Wiesensee (TiWi)

Winner Ufer 9
56459 Stahlhofen am Wiesensee

Telefon +49 (0) 2663 291-494
Schicken Sie uns eine E-Mail

Öffnungszeiten Sommer/Herbst (Apr.–Okt.)

Montag – Freitag 10–17 Uhr
Samstag 13–17 Uhr
Sonntag 10–18 Uhr

Öffnungszeiten Winter/Frühjahr (Nov.–März)

Montag – Freitag 11–16 Uhr
Sonntag 11–16 Uhr

Info-Point Tourist-Information WällerLand | Kulturbüro Westerburg

Marktplatz 6
56457 Westerburg

Telefon +49 (0) 2663 291-495
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