© Sabine Dörner

LARP findet viel Platz zum Entfalten

Liverollenspiele finden regelmäßig im Stöffel-Park statt. Für einige Tage verwandeln sich das Gelände und die Erlebnisräume dann vollständig – und erschaffen eine neue Realität. Bis zu 300 Leute bringt „Tiny Torch“, veranstaltet von der Gesellschaft für Live-Rollenspiele e.V., ins Spiel. Passend zur Kulisse wird hier öfter ein Endzeitszenario als Spielhintergrund angeboten.  

Platz für jede Menge Kreativität

Das Szenario ist recht offen, damit die Teilnehmer sich nach ihrem Gusto ausleben können. Manche kommen eher aus der Mittelalter-Seite oder sind vom Western beeinflusst, daher sind die Outfits unterschiedlich. Machen genießen einfach, dabei zu sein, andere sind actionlastiger. Teilweise nehmen größere Gruppen an der LARP (Live Action Role Playing) teil, und so entstehen dann Spiele im Spiel sind, ziemlich individuell und vielfältig. 

Eine riesige Menge an Ideen und Kreativität wird dabei freigesetzt. Tänzer und Schauspieler sind darunter, Arbeitslose, Zahnärzte…  Und in der Sache gibt es viel gegenseitige Hilfe. Die Gewandungen werden selbst genäht, Technik originell eingesetzt … Jeder kann seine Fähigkeiten einbringen. So gibt es auch einen Chronisten, der für Fotos sorgt. Viele Accessoires werden von den Teilnehmern selbst mitgebracht – sei es Poster und antike Wanduhren oder gleich ein ganzer Sattelschlepper. Der Umgang miteinander ist respektvoll.

Das Treffen ist gut vorbereitet, und auch während der drei Tage tüfftelt die Spielleitung immer wieder neue Ideen aus, um die Teilnehmer mit überraschenden Herausforderungen  zu konfrontierten. Etwa 20 Personen stehen dieses Mal bereit, erzählt Axel.

Das ist kein Karneval

„Eigentlich spielen wir nicht“, erklärt Sebastian „der Hausmeister“. „Denn das hier ist kein Karneval und keine Verkleidung. Man lebt seine Persönlichkeit aus.“ Es gibt wenige Regeln – aber auch nur die Andeutung von sexueller Gewalt etwa wird nicht akzeptiert. Hantiert wird mit Waffen, die ungefährlich, ja kindersicher sind.  Und wer gerade eine Auszeit braucht und kurz aus dem Spiel ausscheren will, teilt das den anderen einfach per Handzeichen mit.

Früher gab es Leseratten, die meist mit ihrem Buch und ihrer Fantasie allein in der Stube saßen, dann kamen Filme, dann interaktive PC-Spiele – und dann LARPs. Die bringen heute Menschen wieder zusammen.

„Wir haben Hunderte Mitspieler, Hunderte Individualisten und nachher Hunderte Kritiker“, sagt Sebastian, der auch in Wuppertal für sein Hobby einiges auf die Beine stellt, gut gelaunt. Und damit der Hausmeister (der bei der LARP dem Namen entsprechend auch anpackt, wenn er Arbeit sieht)   keine Vorwürfe zu hören bekommt, umspannt er sein Auto schnell noch mit einem Tarnnetz – denn in der Endzeit gibt es einfach keine hübsch lackierten Fahrzeuge mehr.

Auseinandersetzung mit dem Leben und seinen dunklen Seiten

Wem das Thema Endzeit zu drastisch und negativ erscheint, der braucht nur in die Welt schauen, in Gegenden, wo Leid, Armut, Hunger, Krieg dominieren, meint Sebastian. Ja, damit muss man sich so oder so auseinandersetzen. Und manche wählen dazu diese LARP. Und nun, kaum war das Event im Februar vorbei und dieser Text geschrieben, hat sogar ein Krieg in Europa begonnen.    

Übrigens sind Martin Rudolph und Carmen Engel vom Stöffel-Park mit diesen „Untermietern“ sehr zufrieden, die sie immer wieder als freundlich und verlässlich erleben. Nicht nur ihr Ansprechpartner, Max Dittewig, hat bei ihnen längst einen Stein im Brett.

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